Was wir glauben
Was sind Quäker?
Die Quäker – offiziell Religious Society of Friends – entstanden im 17. Jahrhundert während des englischen Bürgerkriegs. Der Begriff „Quäker“ war ursprünglich eine Spottbezeichnung, wurde aber später zur Selbstbezeichnung. Die frühen Quäker verzichteten auf ein formales Glaubensbekenntnis und kannten zunächst keine Mitgliedschaft im heutigen Sinne.
Quäker betonen weniger dogmatische Theologie als vielmehr ethisches Handeln. Ihr Glaube zeigt sich vor allem in der Lebensführung – dem sogenannten Zeugnis geben.
Heute umfasst das weltweite Quäkertum eine große Bandbreite: von non‑theistischen bis christozentrischen Gemeinden, von stillen, unprogrammierten Andachten bis zu Gottesdiensten mit Predigt und Gesang.
Die vier (populärsten) Zeugnisse
Trotz aller Vielfalt teilen Quäker weltweit eine Schnittmenge von vier grundlegenden ethischen Prinzipien – die Zeugnisse:
- Friedenszeugnis
- Zeugnis der Wahrhaftigkeit
- Zeugnis der Gleichheit
- Zeugnis der Einfachheit
Siehe auch: Themennachmittag 15.06.2024
Friedenszeugnis
Quäker lehnen den Dienst an der Waffe ab und gelten als historische Friedenskirche. Das bedeutet jedoch nicht politische Passivität. Organisationen wie das Quaker Council for European Affairs beteiligen sich aktiv an politischen Debatten.
Zeugnis der Wahrhaftigkeit
Dieses Zeugnis begründet u. a. die traditionelle Eidesverweigerung und die Ablehnung von Glücksspiel.
Zeugnis der Gleichheit
Aus diesem Grundsatz leiten Quäker das allgemeine Priestertum ab – von Anfang an auch für Frauen. Bereits im 17. Jahrhundert engagierten sich Quäker für die Abschaffung der Sklaverei.
Zeugnis der Einfachheit
Es richtet sich gegen Verschwendung und Eitelkeit. Heute umfasst es auch den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Vermeidung unnötigen Konsums (z. B. „Fast Fashion“).
Die Bibel und das „Innere Licht“
Für viele Quäker spielt die Bibel weiterhin eine zentrale Rolle. Gleichzeitig gilt sie nicht als einzige Autorität. Je nach theologischer Ausrichtung kann die unmittelbare Offenbarung – das „Innere Licht“ – sogar höheres Gewicht haben.
Quäker haben weder eine zentrale theologische Leitung noch autoritäre Strukturen mit Weisungsmacht. Das führt dazu, dass sich Gemeinden weltweit stark in Praxis und Theologie unterscheiden.
Hinweis: Seit der frühen Quäkertheologie bezeichnete das „Wort Gottes“ nicht die Bibel, sondern Christus selbst (vgl. Joh 1,14). Offenbarung wird als gegenwärtig, fortdauernd und unmittelbar erwartet – nicht über Ämter, Liturgie oder Texte.
Vielfalt des heutigen Quäkertums
Weltweit existieren sehr unterschiedliche Quäkertraditionen:
- unprogrammierte Andachten in stiller Erwartung
- programmed worship mit Predigt und Musik
- theologische Spannbreite von non‑theistisch bis evangelikal
- organisiert in lokale, nationale und internationale Zusammenschlüsse ohne zentrale Autorität
Diese Vielfalt wirkt widersprüchlich und spannungsreich. In dem Zusammenhang hört man häufig die Redewendung:
„In essentials unity, in non‑essentials liberty, in all things charity.“ (Auf Deutsch: „In notwendigen Dingen Einheit, in zweifelhaften Dingen Freiheit, in allem aber Liebe.“)
Die Quäker haben für sich beschlossen, dass ihnen ihre Zeugnisse essenziell sind, aber Glaubensbekenntnisse nicht.
Unsere Ausprägung des Quäkertums
Unsere Andacht in Krefeld ist unprogrammiert und christozentrisch geprägt, steht jedoch allen Besucherinnen und Besuchern offen; auch pastorale oder non‑theistische Quäker, die derzeit nicht vertreten sind, sind herzlich eingeladen, sich einzubringen. Für alle, die sich vertieft mit den theologischen Wurzeln des christozentrischen Quäkertums beschäftigen möchten, empfehlen wir einen Blick in den frühen Katechismus von Robert Barclay: Barclays Katechismus.