Andacht und Teetrinken am 14.12.2024
Was das Kreuz aussagt
Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!
Kommenden Samstag, den 14.12.2024 um 17 Uhr, findet, in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.
Wer möchten, kommt gerne schon um 16 Uhr, um sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.
Diesmal lesen und diskutieren wir das letzte Mal in der Themenreihe zum Buch von Mark Russ “Quaker Quicks, Quaker Shaped Christianity: How the Jesus story and the Quaker way fit together”. Es kommt der zweite Teil des 5. Kapitel, das überschrieben ist mit “Crucifixion” - “Kreuzigung”. Wie immer, fasse ich - in Vorbereitung - die Kernaussagen des Kapitel in Zitaten zusammen und ergänzt mit meinen eigenen Gedanken dazu.
Für diejenigen, die bei dem letzten Malen nicht dabei waren: die Tee-Runde ist so angelegt dass man weder Das Buch besitzen muss, noch es gelesen haben sollte und auch nicht bei allen Treffen dabei gewesen sein muss.
Vielleicht habt ihr spannende Themen, die wir dann übernächstes Mal aufgreifen könnten.
Unterkapitel “What the cross says”, Deutsch: “Was das Kreuz aussagt”
| Englisch | Deutsch |
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| […] The cross shows that the Kingdom of God can’t be confined to a private, spiritual realm. The Kingdom of God is not restricted to being a good citizen. The cross isn’t an answer to personal, private sin, but to sin on a grand scale. The good news of the Kingdom is a political threat to those who benefit from systemic sin. If we are to follow the Way of Jesus, seeking God’s Kingdom before all else, we should be prepared to meet resistance from powerful forces. In the previous chapter, I wrote that the promise of the Resurrection doesn’t mean we can sit back and wait for the Kingdom to arrive. The cross, as the other side of the Resurrection, shows the seriousness of the struggle for a Christ-shaped future. It shows the costly nature of discipleship. It’s important to say that there’s nothing inherently virtuous about suffering. The Crucifixion didn’t have to happen, and God doesn’t require Jesus’ death. | […] Das Kreuz zeigt, dass sich das Reich Gottes nicht auf einen privaten, geistlichen Bereich beschränken lässt. Das Reich Gottes ist nicht darauf beschränkt, ein guter Bürger zu sein. Das Kreuz ist nicht die Antwort auf die persönliche, private Sünde, sondern auf die Sünde im großen Stil. Die gute Nachricht vom Reich Gottes ist eine politische Bedrohung für diejenigen, die von der systemischen Sünde profitieren. Wenn wir dem Weg Jesu folgen und das Reich Gottes vor allem anderen suchen, sollten wir darauf vorbereitet sein, auf den Widerstand mächtiger Kräfte zu stoßen. Im vorigen Kapitel habe ich geschrieben, dass die Verheißung der Auferstehung nicht bedeutet, dass wir uns zurücklehnen und auf die Ankunft des Reiches Gottes warten können. Das Kreuz zeigt die andere Seite der Auferstehung, einen ernst der Kampf um eine von Christus geprägte Zukunft. Es zeigt, wie kostspielig die Nachfolge ist. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Leiden an sich nichts Tugendhaftes an sich hat. Die Kreuzigung hätte nicht geschehen müssen, und Gott verlangt den Tod Jesu nicht. |
Klingt ein wenig wie die Verschwörungsschwurbler. Das liegt warscheinlich daran, dass Aussagen wie “Widerstand mächtiger Kräfte” sehr nebulös und geheimnisvoll klingen. Aber wichtig erscheint mir der Hinweis, dass Mark Russ in der Kreuzigung ein starkes Symbol sieht, aber nicht eine Zwangsläufigkeit. Viele Christen hinterfragen zunehmen die Deutung, dass Christus für unsere Sünden am Kreuz sterben musste, im Sinne einer Sühne. Hier zwei Autoren zu dem Thema aus dem Mennonitischen Umfeld:
- Anna Janzen, Die sühnefreihe Heilslehre nach Lukas, 2018, Peter Lang Verlag (auf Deutsch)
- J. Denny Weaver, God Without Violence, 2020, Cascade Books (auf Englisch)
- J. Denny Weaver, Gewaltfreie Erlösung, 2016, LIT Verlag (auf Deutsch)
| Englisch | Deutsch |
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| There’s always a danger of the Crucifixion being used to justify suffering. But in some sense Jesus’ Crucifixion was inevitable. The death-dealing powers can’t countenance the existence of God’s Kingdom, and so will always try to destroy it. The first Quakers knew this outward Crucifixion well. Their announcement of Christ’s arrival was met with violence, torture and imprisonment. They were a political threat. Some, like Mary Dyer in Boston, received state executions. Quakers in Britain still have a “Meeting for Sufferings” which has reprised its historical role of recording Quakers who suffer imprisonment for their witness. We still understand that suffering is to be risked if there is to be real change for the better. […] | Es besteht immer die Gefahr, dass die Kreuzigung dazu benutzt wird, das Leiden zu rechtfertigen. Aber in gewisser Weise war die Kreuzigung Jesu unvermeidlich. Die Mächte, die den Tod bringen, können die Existenz des Reiches Gottes nicht gutheißen und werden daher immer versuchen, es zu zerstören. Die ersten Quäker kannten diese äußere Kreuzigung gut. Ihre Ankündigung der Ankunft Christi wurde mit Gewalt, Folter und Gefangenschaft beantwortet. Sie waren eine politische Bedrohung. Einige, wie Mary Dyer in Boston, wurden vom Staat hingerichtet. Bei den Quäkern in Großbritannien gibt es immer noch ein „Meeting for Sufferings“, das seine historische Rolle wieder aufnimmt und Quäker aufnimmt, die wegen ihres Zeugnisses inhaftiert werden. Wir sind uns immer noch bewusst, dass wir Leiden in Kauf nehmen müssen, wenn wir eine echte Veränderung zum Besseren erreichen wollen. […] |
Das s.g. "Meeting for Sufferings" ist eine Einrichtung, der britische Jahresversammlung, die schon ein Jahr nach ihrer Gründung geschaffen wurde. Beides war für die Konstituierung der frühen Freunde überlebenswichtig! Hier geht es um Märtyrertum, auch wenn der Begriff nicht fällt. Den wenigsten wird Mary Dyer etwas sagen. Aber manche denken jetzt vielleicht an die Corona-Zeit und die vielen selbsternannten Märtyrer wie Jana aus Kassel. Oder noch schlimmer, an Islamistische Selbstmodattentäter. Das Thema ist so umfangreich und komplex, dass der kurze Abschnitt hier dem einfach leider nicht gerecht wird.
| Englisch | Deutsch |
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| […] The inward and the outward dimensions need to be held in tension. We don’t need to make a choice between being a mystic or being an activist. The way of Jesus involves both. Just as the Resurrection proclaims spiritual and material freedom, the Crucifixion proclaims that the struggle for God’s Kingdom is political and personal, outward and inward. The Quaker activist knows they cannot rely on their own power, especially in the shadow of the outward cross. Through prayer and worship they draw on a strength that is beyond themselves. If we are to love God with all our heart, soul, and strength (Deuteronomy 6:5), then using all our gifts and skills and emotions in pursuit of a better world is itself an act of worship. To be an activist is to be a mystic. The Quaker mystic allows the light to shine on their darkness. They open themselves to the pain of the world, to the inward cross, and suffer with it. […] | […] Die innere und die äußere Dimension müssen in Spannung gehalten werden. Wir müssen uns nicht entscheiden, ob wir ein Mystiker oder ein Aktivist sein wollen. Der Weg Jesu beinhaltet beides. So wie die Auferstehung geistliche und materielle Freiheit verkündet, so verkündet die Kreuzigung, dass der Kampf um Gottes Reich politisch und persönlich, äußerlich und innerlich ist. Die Aktivisten der Quäker wissen, dass sie sich nicht auf ihre eigene Kraft verlassen können, vor allem nicht im Schatten des äußeren Kreuzes. Durch Gebet und Anbetung schöpfen sie aus einer Kraft, die über sie selbst hinausgeht. Wenn wir Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben sollen (5.Mose 6,5), dann ist der Einsatz all unserer Gaben, Fähigkeiten und Gefühle im Streben nach einer besseren Welt selbst ein Akt der Anbetung. Ein Aktivist zu sein bedeutet, ein Mystiker zu sein. Der Quäker-Mystiker lässt das Licht auf seine Dunkelheit scheinen. Sie öffnen sich für den Schmerz der Welt, für das innere Kreuz, und leiden mit ihm. [..] |
An der Stelle finde ich merkwürdig, dass Mark Russ hier das Märtyrertum als etwas individuelles beschreibt. Hier hätte ich noch mal den Bezug zum "Meeting for Sufferings" hergestellt und aufgezeigt was das besondere war, wie Quäker mit den Angriffen umgingen. Gerade die frühen Freunde begleiteten ihre Aktionen mit Flugblättern und diplomatischen Kampagnen. Es war ihnen wichtig, dass andere verstanden warum sie tat, was sie taten. Ihre Proteste, Verweigerungen und Martyrien sollten sie als einzig wahre Christen und Nachfolger Jesus, legitimieren. Das verstanden die frühen Freunde als ihr Zeugnis vor der Welt. Das innere Kreuz war die Prüfung durch das Innere Licht und das Besiegen der Eitelkeit und des selbstsüchtigen Egos.
| Englisch | Deutsch |
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| It is worth returning to the Resurrection at this point, for we say that God is on the cross, on the lynching tree or in the gas chamber, but go no further, we might ask “so what?” If all God can do is suffer with the oppressed whilst the powerful do what they want, exploiting the poor and poisoning the earth, then what use is God? This is why we can’t talk of the Crucifixion without the Resurrection. They are two sides of the same coin. In the Crucifixion we see the powerful do their worst to Jesus; in the Resurrection we see that their worst wasn’t enough. The cross is the powerful saying “No” to the Kingdom of God; the Resurrection is God saying “Yes.” The cross is the reminder that the struggle for the Kingdom of God might cost us everything; the Resurrection is the assurance that, we may lose everything in the struggle, but we can never be separated from God. | Es lohnt sich, an dieser Stelle auf die Auferstehung zurückzukommen, denn wir sagen, dass Gott am Kreuz, auf dem Lynchbaum oder in der Gaskammer ist, aber gehen nicht weiter, wir könnten fragen: „Na und?“ Wenn alles, was Gott tun kann, ist, mit den Unterdrückten zu leiden, während die Mächtigen tun, was sie wollen, die Armen ausbeuten und die Erde zu vergiften, wozu ist Gott dann gut? Aus diesem Grund können wir nicht von der Kreuzigung ohne die Auferstehung sprechen. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Bei der Kreuzigung sehen wir, wie die Mächtigen Jesus ihr Schlimmstes antun; bei der Auferstehung sehen wir, dass ihr Schlimmstes nicht genug war. Das Kreuz bedeutet, dass die Mächtigen „Nein“ zum Reich Gottes sagen; die Auferstehung bedeutet, dass Gott „Ja“ sagt. Das Kreuz erinnert uns daran, dass der Kampf um das Reich Gottes uns alles kosten kann; die Auferstehung ist die Gewissheit, dass wir in diesem Kampf vielleicht alles verlieren, aber niemals von Gott getrennt werden können. |
Wenn ich Mark Russ richtig verstehe, ist die Aussage: Auschwitz ist ein grosses Unrecht, aber am Ende siegt doch das Gute, auch wenn es mein eigenen Tod bedeutet. Die Frage “Wo war Gott in Auschwitz?” ist berechtigt! Und für mich ist damit untrennbar die Frage verbunden: “Wo waren die, die sich Christen nannten in Auschwitz?”. Vielleicht war ja Gott in Auschwitz und eben leider wieder mal alleine und wieder mal verkauft und verraten von seinen Jüngern?
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