Andacht und Teetrinken am 11.01.2025

Thema: Demut

Inhaltsverzeichnis

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 11.01.2025 um 17 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Wer möchte, kommt gerne schon um 16 Uhr, um sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.

Neue Küchengestaltung

Die Küche ist jetzt mittlerweile (fast) fertig eingerichtet und sieht nun um einiges wohnlicher aus.

Neue Küche
Die neu gestaltete Küche im 1. OG.

Kommende Themenreihe

Ich plane und arbeite an einer neuen Themenreihe, die ich mit dem Titel “Einführung in das Quäkertum” überschreiben will. Da ich das ganze etwas strukturierter angehen möchte , werde ich mir dafür etwas mehr Vorbereitungszeit nehmen. Ihr könne mir aber gerne eure Fragen und Anregungen dazu schreiben. Per Mail oder per Mastodon.

Zielgruppe der Themenreihe ist…

  • …Leute die noch nie in einer Quäker-Andacht waren
  • …Leute die ihre Wissenslücken schließen wollen
  • …und Leute, die die Quäker-Grundsätze kritisch sehen und noch mal nachhaken mächten

Kommendes Thema: Demut

Ich glaube kaum ein anderer Begriff aus der dem christlichen Umfeld ist umstrittener und kontroverser, als der der “Demut”. Nicht wenige würden, denke ich, gerne auf dem Begriff ganz verzichten. Bei der Thematisierung in der Tee-Runde geht es mir nicht darum, autoritäre soziale Machtgefälle rehabilitieren. Sondern es geht mir darum, darüber zu sprechen, dass Menschen die persönliche Erfahrung in ihrem Leben gemacht haben und diese Begriff für sie etwas ausdrückt, das eben NICHT meint…

  • …Kadavergehorsam
  • …Unterwerfung
  • oder Gehirnwäsche.

…Sondern die Einsicht in die eigenen Begrenztheit und die eigene Korrekturbedürftigkeit. Um klar zu machen was ich meine: So würde ich keinem Bergführer oder Schiffsführer mein Leben anvertrauen, der keine Demut vor den Naturgewalten zeigt. Das ist keine abergläubische Unterwürfigkeit, sondern eine realistische und selbstkritische Einschätzung der eigenen Grenzen. Und ich würde keiner Glaubensgemeinschaft tauen, die sich für unfehlbar und moralisch überlegen hält. Demut bewahrt eine Glaubensgemeinschaft zwar nicht davor Fehler zu machen, aber es wird ihr leichter fallen sie zu korrigieren. Und nein, als Glaubensgemeinschaft Fehler einzugestehen und zu korrigieren, heißt nicht sich “dem Zeitgeist zu beugen”!

Eine Kernüberzeugung des Quäkertums ist, das Jesus direkt zu uns sprechen kann. Dazu müssen wir bereit sein, ihm zuzuhören. Deswegen beginnt die Quäker-Andacht in Stille, mit erwartungsvoller Haltung. Sich von Jesus leiten zu lassen heißt auch bereit zu sein sich korrigieren zu lassen. Wenn die Offenbarung auf die Bibel reduziert wird und/oder auf das gesprochene Wort (durch Prediger), ist mit Korrektur immer auch mit einem Autoritätsverlust verbunden, der Wiederstände hervorruft. Denn wie soll der Text (geschrieben oder gesprochen) mal wahr und mal unwahr sein? Deswegen betonen Quäker die Bedeutung der unmittelbaren Offenbarung von Jesus. Die letzte verbleibende “Fehlerquelle” sind wir dann selbst. Das bedeutet viel Freiheit und viel Verantwortung.

Natürlich kann man auch in die Quäker-Andacht kommen, wenn man nicht an Gott glaubt und die Stille genießen, an schöne oder erbauliche Dinge denken, oder manchmal unfreiwillig Probleme wälzen will.

Materialsammlung

Ich finde Benjamin Wood erklärt in seinem Buch “Living Fountain”1 sehr gut, warum man Demut auch mit Hoffnung verbunden sein kann:

English Deutsch (DeepL / google übersetzt)
To put it more sharply, we should be ‘accepting’, not because we have little in particular to say, but because we have a lot to say. We have a lot to say about the shape of the world, the human longing for equity and justice, and the unity of the human family. Yet, we should say all these things based on an economy of worship, gift, and giving, not upon an ethos of rights or autonomy. Yet, choppy waters await our Quaker Way when we cease to take notion of God’s Promise of divine inclusion seriously; when we metamorphose the promise into meagre moral guidance, metaphor, or optional poetry. Here lies the insubstantial road of self-religion (one with plenty of freedom but no directing hope). Let us pray and struggle with the promise, but let’s not reject it out of hand. Let’s be hardy and determined like Jacob in his battle with the Angel. Let’s declare with Jacob our intention: ‘I will not let you go unless you bless me’ (Genesis 32:26). The challenge is clear. Do we Quakers dare to accept the power of such a blessing? Um es deutlicher zu sagen: Wir sollten „akzeptieren“, nicht weil wir nicht viel zu sagen haben, sondern weil wir viel zu sagen haben. Wir haben viel zu sagen über die Gestalt der Welt, das menschliche Verlangen nach Gleichheit und Gerechtigkeit und die Einheit der Menschheitsfamilie. Doch sollten wir all diese Dinge auf der Grundlage einer Ökonomie der Anbetung, des Schenkens und des Gebens sagen, nicht auf der Grundlage eines Ethos der Rechte oder der Autonomie. Doch unser Quäkerweg gerät in unruhiges Fahrwasser, wenn wir aufhören, die Vorstellung von Gottes Verheißung der göttlichen Einbeziehung ernst zu nehmen; wenn wir die Verheißung in eine dürftige moralische Anleitung, eine Metapher oder eine beliebige Poesie verwandeln. Hier liegt der substanzlose Weg der Selbstreligion (einer mit viel Freiheit, aber ohne zielführende Hoffnung). Lasst uns beten und mit der Verheißung ringen, aber lasst uns die Verheißung nicht von vornherein ablehnen. Lasst uns mutig und entschlossen sein wie Jakob in seinem Kampf mit dem Engel. Lasst uns mit Jakob unsere Absicht erklären: „Ich werde dich nicht gehen lassen, wenn du mich nicht segnest“ (Genesis 32:26). Die Herausforderung ist klar. Wagen wir Quäker es, die Macht eines solchen Segens anzunehmen?

This work is licensed under CC BY 4.0



  1. Living Fountain, The: Remembrances of Quaker Christianity,Wood Benjamin,Christian Alternative Books (26. Mai 2023), ISBN-13: 978-1803412337 ↩︎