Andacht und Teetrinken am 4.10.2025

Quäker, Geld und Moral.

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 4.10.2025 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Für diejenigen, die möchten, besteht im Anschluss ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.

Das von mir vorbereitete Thema, über das wir sprechen können, dreht sich darum, wie die Einstellung der Quäker zum Geld war.

Inhalt:

Quäker, Geld und Moral

Die Quäker werden häufig vorschnell der Gruppe der Protestanten zugeordnet. Diese Einordnung ist aus verschiedenen Perspektiven problematisch. Ein zentraler Aspekt betrifft ihr Verhältnis zu Reichtum und Geld. In diesem Punkt stehen sie der katholischen Lehre, die Geiz und Habgier als eine der sieben Todsünden benennt, deutlich näher als vielen protestantischen Strömungen.

Zwar teilen sie mit den protestantischen Puritanern eine kritische Haltung gegenüber weltlichen Vergnügungen, doch lehnen sie andere Positionen innerhalb des Protestantismus entschieden ab. Dazu gehört etwa die Vorstellung, dass Wohlstand und Reichtum ein Zeichen göttlicher Gnade seien (Stichwort: Wohlstandsevangelium), oder gar die Idee, man sei von Gott zum wirtschaftlichen Erfolg auserwählt und vorbestimmt (siehe: Doppelte Prädestination) – also gewissermaßen „zum Glück verdammt“ ist.

Die Aussensicht auf die Quäker und ihr Verhältnis zum Geld

Schauen wir uns zunächst an, wie die Quäker von außen wahrgenommen werden – insbesondere im Hinblick auf ihr Verhältnis zum Geld. Ein literarisches Beispiel hierfür bietet der Roman Moby-Dick von Herman Melville. Zwar handelt es sich um einen Roman und kein Sachbuch, doch spiegelt er dennoch eindrücklich die Wahrnehmung der Quäker im 19. Jahrhundert wider.

Das grundsätzlich ambivalente Verhältnis vieler Christen zum Thema Geld bringt Melville bereits zu Beginn seines Romans treffend auf den Punkt. Der Ich-Erzähler formuliert:

Aber Bezahlt-werden – was kann sich damit messen? Die Art Beflissenheit, mit der ein Mann Geld in Empfang nimmt, ist höchst erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir das Geld allen Ernstes als die Wurzel allen irdischen Übels ansehen und glauben, dass unter gar keinen Umständen ein Reicher ins Himmelreich kommt. Ha! Wie frohgemut verschreiben wir uns der Verdammnis!

Das bezieht sich auf Ja, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt. aus Matthäus 19,24; Markus 10,25 und Lukas 18,25. Das Buch “Moby-Dick” ist voller Christlicher Bezüge und arbeitet sich auch an der Moral der Quäker in ganz besonderem ab, die dort als Schiffseigner und Kapitäne von Walfängern in Erscheinung treten.

Auf Walfängern war es üblich, der Besatzung keinen festen Sold zu zahlen, sondern Gewinnanteile zu vereinbaren. Das bedeutet: Ist der Fang groß, profitieren alle. Bleibt die Fahrt erfolglos, tragen alle das Risiko anteilig mit. Die Höhe der Anteile wird individuell ausgehandelt. Dabei beschränkt sich die Verteilung nicht nur auf die Mannschaft – auch das zur Ausrüstung des Schiffes benötigte Kapital muss eingebracht werden. Kreditgeber erhalten keinen festen Zins, sondern eine Gewinnbeteiligung, die mit dem Risiko eines Totalverlusts verbunden ist.

In Moby-Dick entspinnt sich zu diesem Thema ein aufschlussreicher Dialog, als der Ich-Erzähler auf einem Walfänger anheuert und über seinen Anteil verhandelt. Seine beiden Gesprächspartner sind zwei Quäker-Kapitäne mit unterschiedlichen Ansichten. Zunächst argumentiert Kapitän Bildad gegen Kapitän Peleg:

“Du weißt das am besten”, antwortete die Grabesstimme. “Der siebenhundertsiebenundsiebzigste wäre wohl nicht zu viel, oder? … wo sie die Motten und der Rost fressen. Sammlet euch aber Schätze im Himmel”

Das bezieht sich auf Matthäus 6,19-21:

Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie werden nur von Motten und Rost zerfressen oder von Einbrechern gestohlen! Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die unvergänglich sind und die kein Dieb mitnehmen kann. Wo nämlich euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Als Kapitän Bildad noch mal in Sinne des Matrosen argumentiert, entgegnet Kapitän Peleg:

Bildad legte sein Buch nieder, wandte sich dem Manne mit ernster Miene zu und sagte: “Kapitän Peleg, du hast ein großes Herz, aber du mußt bedenken, was du den anderen Eignern dieses Schiffs schuldest, von denen viele Witwen und Waisen sind. Und darfst nicht vergessen, daß wir womöglich jenen Witwen und Waisen das Brot nehmen, wenn wir die Mühsal dieses jungen Mannes überreichlich belohnen. Den siebenhundertsiebenund-siebzigsten, Kapitän Peleg.

Hier zeigt sich, dass die Quäker durchaus mit harter ökonomischer Vernunft kalkulieren – jedoch nicht, um möglichst schnell möglichst reich zu werden. Vielmehr sind sie sich bewusst, dass sich das Unternehmen am Ende für alle Beteiligten rechnen muss. Die Kapitalgeber, also die Anteilseigner, sind in diesem Kontext keine raffgierigen Spekulanten, sondern häufig Menschen aus dem direkten Umfeld der Seefahrt – etwa Witwen, die ihre Männer auf See verloren haben und damit auch eine der wichtigsten Erwerbsquellen.

Das ist nicht das, was wir heute unter Sozialversicherung verstehen würden. Doch im damaligen Kontext erfüllte dieses System teilweise eine vergleichbare Funktion: Es bot eine Form der ökonomischen Teilhabe für jene, die sonst kaum Zugang zu anderen Einkommensquellen hatten.

Die Innensicht der Quäker und ihr Verhältnis zum Geld

William Penn hat sich in seinem Buch Kein Kreuz, keine Krone intensiv mit dem Thema Kapital und Besitz auseinandergesetzt. Kapitel 13 widmet sich diesem Komplex besonders deutlich. Auch wenn man im 17. Jahrhundert noch nicht im modernen Sinne von „Kapitalismus“ sprechen konnte, zeigt Penn doch ein bemerkenswertes Bewusstsein für die Mechanismen des Kapitals und deren moralische Implikationen.

Ich habe einige Abschnitte ausgewählt, in denen Penns Haltung besonders klar zum Ausdruck kommt:

Seite Kapitel 13 Abschnitt 6:

Ich bestimme die Gier, die der Apostel die Wurzel alles Übels nennt, auf die Art, dass er in drei Hauptzweigen erscheint, erstlich in einem Begehren unerlaubter Dinge, zweitens in einen unerlaubten Begehren erlaubten Dinge, und drittens in unnützer Anhäufung des Geldes und anderer Dinge, wodurch der Gebrauch und die Wohltat des einen oder anderen entweder einzelnen Personen oder der allgemeinen Gesellschaft unnötigerweise entzogen wird. [..] Können wir nun aber hieraus nicht auch schließen, dass die Ungenügsamen, die nach Reichtum trachten, Gott verlassen? Dieser Schluss scheint vielleicht hart, allein er folgt ganz natürlich daraus, da solche Menschen, die mit dem, was sie haben, nicht zufrieden sind, sondern immer mehr verlangen, und daher, wenn es nur möglich ist, auch reich zu werden suchen, offenbar nicht in dem Vertrauen und Aufsehen auf die göttliche Vorsehung leben, zu welcher sie ermahnet sind, und ihnen folglich Gottseligkeit mit Genügsamkeit verbunden, kein großer Gewinn zu sein scheint.

Seite Kapitel 13 Abschnitt 7:

Es ist eine Schande für den Menschen, besonders für den religiös Gesinnten, dass er oft nicht weiß, wann er genug hat, wann er mit Gewinnen aufhören und sich begnügen soll, und dass er, obgleich ihm Gott eine reiche Ernte oder Einnahme nach der anderen zufließen lässt, doch diese Wohltaten nicht als Beweggründe ansieht, sich endlich aus dem Gewühl der Welt zurückzuziehen, sondern dieselben vielmehr als Einladungen betrachtet, sich noch tiefer in die Geschäfte des Lebens einzulassen, als wenn er, je mehr er habe, auch desto mehr erwarten könne. Er erneuert daher seine Begierde und strengt sich mehr als jemals an, um seinen Teil davon zu tragen, so lange es noch etwas zu erjagen gibt. Gerade als ob Unruhe und nicht Abgeschiedenheit, Gewinnsucht und nicht Genügsamkeit die Pflichten und die Quellen des Trostes eines Christen wären. […] Es ist nicht zu leugnen, dass sehr viele Menschen nicht des Unterhalts, sondern des Reichtums wegen Geld zu gewinnen suchen. […] Heißt dieses ein ruhiges und angenehmes Leben führen? Oder heißt dies auch wohl reich sein? Sehen wir nicht, wie diese Leute so früh auf sind, und erst so spät zur Ruhe kommen? Wie ihre Gedanken beständig auf ihre Geschäfte gerichtet und mit einer Menge von Gegenständen angefüllt sind? Wie sie dabei hin und her eilen als ob sie beschäftigt wären, einem unschuldig Verurteilten das Leben zu retten? Und dieses alles um eine unersättliche Leidenschaft zu befriedigen, die ebenso verderblich für die Menschen als Gott zuwider ist, der den Reichtum dazu gibt, dass man ihn wohl anwenden, nicht aber, damit man mit seinem Herzen daran hängen solle, denn darin besteht der Missbrauch, den die Menschen davon machen.

Seite Kapitel 13 Abschnitt 8:

[…] Und eine Hauptursache, warum viele Menschen zu wenig erwerben und genötigt sind, wie Sklaven zu arbeiten, um ihre Familien zu ernähren und ihr Auskommen zu finden, liegt unstreitig darin, dass die Reichen nicht nachlassen, zu scharren, sondern immer noch reicher werden wollen, und deswegen auch die kleineren Erwerbsquellen der geringen Klasse an sich ziehen oder verstopfen. Es wäre daher zu wünschen, dass man einen Maßstab festsetzen möchte, nach welchem jeder die Dauer und Ausdehnung der Grenzen seiner Geschäfte bestimmen, und nach deren Erreichung er sie dann unter diejenigen seiner Untergebenen, die es verdienten, verteilte. Dieses würde den Jüngeren die Mittel gewähren, sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und den Alten Zeit verschaffen, darauf zu denken, wie sie eine Welt verlassen wollen, in der sie so geschäftig gewesen sind, und sich um ihr Los in jener Welt zu bekümmern, um welches sie bisher so unbekümmert waren.

Seite Kapitel 13 Abschnitt 14:

Ein solcher Gieriger ist ein wahres Ungeheuer, ohne Menschengefühl, und, gleich den Erdpolen, beständig kalt. Er ist ein Feind des Staates, denn er saugt das Geld aus. Ein Krankheitsstoff im politischen Körper, der den Umlauf des Blutes hemmt, und daher durch irgend ein Reinigungsmittel des Gesetzes fortgeschafft werden sollte, denn dieses Laster greift das Herz an und zerstört den Zusammenhang aller Glieder. - Der Gierige heißt alle nützlichen Künste und Wissenschaften als überflüssige Dinge, aus Furcht, dass die Erlernung derselben ihm etwas kosten würde. Daher ist sein Herz eben so sehr als sein Geldbeutel gegen Empfindsamkeit und Kunstfleiß verschlossen. Er lässt Häuser einstürzen, um nur nicht die Ausgaben für Reparaturen zu haben. Und was seine schmale Kost, seine abgetragenen Kleider und seine schlechten Möbel betrifft, so rechnet er sich diese Stücke zur Mäßigkeit an. O was für ein Ungeheuer ist ein solcher Mensch, der aus Liebe zum Geld, aber nicht aus Liebe zu Christo, das Kreuz gegen sich selbst aufnehmen kann.

Seite Kapitel 13 Abschnitt 15:

Doch macht er auf seine Weise auch Anspruch auf Religion, denn er klagt unaufhörlich über die Verschwendung der Menschen, um seinen Geiz dadurch zu bemänteln. Sieht er jemand eine kostbare Salbe auf das Haupt eines guten Menschen ausgießen, so ist er gleich bereit, an die Dürftigkeit der Armen zu erinnern, um seine Sparsamkeit zu zeigen und gerecht zu scheinen. Anspielung auf Markus 14,3-9. Kommen die Armen aber zu ihm, so weiß er seinen Mangel an Mildtätigkeit damit zu bedecken, dass er entweder die Gegenstände des Mitleids für unwürdig erklärt, oder auf die Ursachen ihrer Armut anspielt, oder vorschüzt, er könne sein Geld auf solche, die es besser verdienten, und zu weit edleren Zwecken verwenden. - Er, der nur äußerst selten seine Börse öffnet, damit er nichts daraus verliere.

Seite Kapitel 13 Abschnitt 22:

Es wundert mich, dass man noch kein Gesetz gegen die Gier gemacht hat. Doch was sage ich? Gegen ihn? – Für ihn, zu seinen Gunsten, wollte ich sagen. Denn da man für alle Arten Wahnsinnige öffentliche Vorsorge trägt, so würde es unstreitig auch sehr angemessen sein, wenn der König einige Personen ernennen würde, die das Vermögen der Gierigen während ihrer Lebenszeit verwalteten, – denn ihre Erben bedürfen gewöhnlich einer solchen Vorkehrung nicht, – und deren Geschäft es wäre, dahin zu sehen, dass es ihnen nicht an dem nötigsten Unterhalt mangelte, den ihr Stand und ihre Lage erfordert, weil sie so grausam sind, sich diesen selbst zu versagen. Wir helfen ja müßigen Tagedieben und verstellten Bettlern, warum wollten wir uns denn nicht um diese wirklich armen Leute bekümmern, die man übrigens, denke ich, in Rücksicht auf ihren Stand, auch mit gehöriger Achtung behandeln müsste.

Schon gewusst?

Wusstet ihr das Die Bank Barclyas, die Schokoladen Fabrik Cadburys und der Schuhhersteller Clarks ursprünglich Quäker-Unternemungen waren? Aktuell ist nur noch Clarks in Quäkerhand. Quaker oats hatte übrigens noch nie was mit Quäkern zu tun. Genaus wenig wie _Quaker Oil _. In Friedenstal betrieben Quäker im 19. Jahrhundert mal eine Messerfabrik. Diese war aber nicht rentabel und musste mit Hilfsgeldern aus Philadelphia und London gestützt werden. Vermutlich waren die Quäker die ersten, die im 19. Jahrhundert einen transatlantischen Verbraucherboykott organisierten, um die Sklaverei zu bekämpfen (Siehe: Free produce movement).


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