Andacht und Teetrinken am 24.01.2026

Die wichtigsten Persönlichkeiten der frühren Quäkertum

Inhaltsverzeichnis

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 24.01.2026 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Für alle, die möchten, gibt es im Anschluss ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren oder einfach nur Tee zu trinken.

Es gab den Wunsch, über interessante Persönlichkeiten des Quäkertums zu sprechen. Dem komme ich gerne nach.

Quäker der ersten Stunde

Bei vielen Konfessionen ist es so, dass sie sich auf eine einzelne Führungspersönlichkeit als Gründer berufen. Das ist beim Quäkertum ganz anders. Das Quäkertum kristallisierte sich erst nach und nach heraus. Der Brutkasten waren, wenn man so will, die Wirren des Englischen Bürgerkriegs und die Dissenter-Bewegungen. Hier konturierten und beeinflussten sich verschiedene neue Ideen gegenseitig. Nach und nach fanden die Leute mit ähnlichen Ideen und Vorstellungen zueinander. In den ersten Jahren war es noch gar nicht so klar, welche Persönlichkeiten, Ideen und Konzepte sich durchsetzen würden. Hier ist eine Liste der einflussreichsten und schillerndsten Persönlichkeiten der ersten Stunde.

Cluster 1: Die (administrative) Pioniere

George Fox

  • Eigenart: Ein Mann von gewaltiger Präsenz; trug oft unzerstörbare Lederhosen und weigerte sich, vor Autoritäten den Hut zu ziehen oder Höflichkeitsfloskeln zu nutzen.
  • Position: Das „Innere Licht“ ist in jedem Menschen; man braucht keine Priester, Sakramente oder Kirchengebäude (Steeple-houses).
  • Einfluss: Gründer der administrativen Strukturen der Monatsversammlungen und charismatischer Kopf der Bewegung.
  • Zeugnis: Als er einen Richter aufforderte, vor dem Wort Gottes zu „zittern“ (to quake), gab dieser der Gruppe spöttisch den Namen „Quäker“.

Margaret Fell

  • Eigenart: Die „Mutter des Quäkertums“; sie war die administrative Zentrale und besaß ein enormes diplomatisches Geschick.
  • Position: Kämpfte für die Gleichberechtigung von Frauen und begründete biblisch, warum Frauen predigen dürfen (Women’s Speaking Justified).
  • Einfluss: Ohne ihre Organisation in ihrem Haus (Swarthmoor Hall) wäre die Bewegung im Chaos versunken.
  • Zeugnis: Sie heiratete später George Fox, doch ihre Partnerschaft war vor allem eine geistige Arbeitsgemeinschaft für die Mission.

Elizabeth Hooton

  • Eigenart: Deutlich älter als Fox, furchtlos und zäh; sie war die erste „Konvertitin“ der Bewegung.
  • Position: Stand für das soziale Zeugnis und die unerschütterliche Pflicht, die Wahrheit laut auszusprechen.
  • Einfluss: Erste Frau, die als Quäkerin öffentlich predigte; Vorbild für den Mut der frühen Quäkerinnen.
  • Zeugnis: Trotz ihres hohen Alters wurde sie mehrmals misshandelt und in der Wildnis ausgesetzt – sie überlebte und kam zurück, um weiterzupredigen.

Cluster 2: Die Strategen (Intellekt & Politik)

William Penn

  • Eigenart: Ein aristokratischer Gentleman unter armen Handwerkern; ein Denker mit Weltklugheit.
  • Position: Radikale Religionsfreiheit und demokratische Teilhabe für alle (auch für die indigene Bevölkerung).
  • Einfluss: Gründer von Pennsylvania („Heiliges Experiment“) und Wegbereiter der US-Verfassung.
  • Zeugnis: Als Penn vor seinem Vater nicht den Hut zog, wurde er von diesen in blinder Wut verprügelt.

Robert Barclay

  • Eigenart: Ein hochgebildeter Schotte aus adeligem Hause; der „Professor“ der frühen Freunde.
  • Position: Systematisierte das Quäkertum theologisch und bewies, dass es eine vernünftige christliche Position ist.
  • Einfluss: Sein Werk Apologie blieb über 200 Jahre das wichtigste Lehrbuch der Quäker weltweit.
  • Zeugnis: Er suchte das Gespräch mit Königen und Prinzen, um für die Freiheit der verfolgten Quäker zu werben.

Isaac Penington

  • Eigenart: Sohn des Bürgermeister von London. Sanftmütig, tiefgründig und mystisch veranlagt; er war die spirituelle „Leise“ der Bewegung.
  • Position: Betonte die Bedeutung der Stille und des Wartens auf Gott; sah im Quäkertum eine innere Heilung.
  • Einfluss: Prägte das quäkerische Verständnis der stillen Andacht maßgeblich.
  • Zeugnis: Er saß sechsmal im Gefängnis, schrieb dort aber Briefe voller Zärtlichkeit und Liebe, die heute noch Quäker-Klassiker sind.

Cluster 3: Die Radikalen (Widerstand & Opfer)

James Nayler

  • Eigenart: Ein brillanter, fast zu charismatischer Redner, der die Massen (und sich selbst) in Ekstase versetzte.
  • Position: Stand für die radikale Identifikation mit Christus, die keine Grenzen mehr zwischen Mensch und Gott kannte.
  • Einfluss: Seine Geschichte führte zur Einführung von Disziplinarregeln in der Gemeinschaft, um Exzesse zu verhindern.
  • Zeugnis: Ritt auf einem Esel in Bristol ein, während Frauen „Hosianna“ sangen – er wurde dafür wegen Blasphemie grausam gefoltert.

Mary Dyer

  • Eigenart: Unerschütterlich und absolut furchtlos im Angesicht der Todesstrafe.
  • Position: Kämpfte gegen die religiöse Tyrannei der Puritaner in Amerika.
  • Einfluss: Ihre Hinrichtung wurde zum Wendepunkt für die Religionsfreiheit in den amerikanischen Kolonien.
  • Zeugnis: Sie ging lächelnd zum Galgen und lehnte eine Begnadigung ab, solange die ungerechten Gesetze gegen Quäker in Kraft blieben.

Gerrard Winstanley

  • Eigenart: Ein radikaler Sozialreformer; er war der Kopf der „[Diggers](“.
  • Position: Gott hat die Erde als Gemeinschaftsgut für alle geschaffen; Privateigentum ist Diebstahl.
  • Einfluss: Brachte das soziale Gewissen und die radikale Armenfürsorge in das Quäkertum ein.
  • Zeugnis: Er besetzte Brachland, um es gemeinsam mit Armen zu bebauen, bis er gewaltsam vertrieben wurde.

Cluster 4: Die Brückenbauer (Grenzen & Brüche)

Mary Fisher

  • Eigenart: Eine einfache Dienstmagd, die eine unglaubliche diplomatische Würde ausstrahlte.
  • Position: Das Licht Gottes ist universell und kennt keine religiösen Grenzen (Respekt vor dem Islam).
  • Einfluss: Pionierin des interreligiösen Dialogs.
  • Zeugnis: Reiste zu Fuß zum Sultan Mehmed IV., der sie mit mehr Respekt behandelte als die christlichen Herrscher in Europa.

Stephan Crisp (Die Verbindung nach Krefeld)

  • Eigenart: Ein früherer Baptist, der ein exzellenter Netzwerker und Redner war.
  • Position: Überzeugte durch die Verbindung von logischer Argumentation und tiefer spiritueller Erfahrung.
  • Einfluss: Er gründete 1678 die Krefelder Quäker-Gruppe und legte damit den Keim für die Auswanderung nach Amerika.
  • Zeugnis: Seine Reisen nach Holland und an den Niederrhein waren so erfolgreich, dass er dort fast bekannter war als in seiner Heimat England.

George Keith

  • Eigenart: Intellektuell brillant, aber streitlustig und fordernd.
  • Position: Wollte ein festes Glaubensbekenntnis und mehr Fokus auf die Bibel statt nur auf das „Innere Licht“.
  • Einfluss: Löste die erste große Spaltung (Keithianisches Schisma) aus; zeigt die Spannung zwischen Freiheit und Ordnung.
  • Zeugnis: Kehrte nach seinem Ausschluss zur anglikanischen Kirche zurück und wurde dort ein entschiedener Gegner der Quäker.

Rice Jones

  • Eigenart: Ein extremer Individualist, der jede Form von Organisation verabscheute.
  • Position: „Proud Quakers“ – Wahre Freiheit bedeutet, keine festen Zeiten, keine Gebäude und keine Regeln zu haben.
  • Einfluss: Sein Widerstand zwang Fox dazu, feste Strukturen zu schaffen, um die Bewegung vor der Selbstauflösung zu retten.
  • Zeugnis: Seine Gruppe traf sich oft in Kneipen oder im Freien, um sich bewusst vom „Kirchen-System“ abzuheben.

This work is licensed under CC BY 4.0