Quäkerandacht und Teetrinken am 29.6.2024

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 29.6. um 17 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Wer möchte kommt gerne schon um 16 Uhr, um sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.

Als Thema schlage ich diesmal vor: Speaking truth to power" (Sage den Mächtigen die Wahrheit)

Das Konzept “Speaking truth to power”, taucht im Kontext des Quäkertums immer wieder auf, und scheint ein Teil der Quäker-DNA zu sein. Im englischsprachen Wikipedia findet sich auch ein Artikel dazu mit einem Verweis auf die Quäker. Wir hatten beim letzten Mal über die Zeugnisse der Quäker gesprochen und festgestellt, dass das Zeugnis der Wahrhaftigkeit von allen Quäker-Gruppen weltweit geteilt wird. Zu diesem Zeugnis gibt es inhaltlich Überschneidungen zum “Speaking truth to power”, aber das “Speaking truth to power” geht noch darüber hinaus. Um das besser verstehen und einordnen zu können, hilft wieder ein Blick zurück zu den “frühen Freunden” aus dem 17. Jahrhundert.

Die Mennoniten haben mit ihrem Märtyrerspiegel bereits im 16. Jahrhundert ein beeindruckendes Zeugnis geliefert, wenn es darum ging, Leiden um der Wahrheit willen auf sich zu nehmen. Hundert Jahre später war es die noch junge Quäker-Bewegung, die unter erheblichem Verfolgungsdruck lit. Tausende wurden auf offener Strasse erschlagen, kamen in Gefängnisse, starben unter grausamen Haftbedingungen, wurden wirtschaftlich ruiniert und ihrer Rechte beraubt.

Die Quäker konnten damit auf Grund anderer Umstände jedoch anders damit umgehen. Denn unter den Verfolgen waren auch Mitglieder der Oberschicht, die in den Machtzentren bestens vernetzt waren. Sie hatten auch die technischen und wirtschaftlichen Mittel, das Land mit Flugschriften zu überziehen und so auch die Möglichkeit eine Öffentlichkeit für ihre Sache einzunehmen. All das wurde gut organisiert und koordiniert durch ein Komitee das Meeting for Sufferings hieß. Dieses Komitee begleitete und unterstützte auch die Missionsreisen.

Mitten im Ersten Österreichischer Türkenkrieg reisten Quäker 1657 zum Sultan von Konstantinopel, um ihn zu zu bekehren. Erwartungsgemäß ohne Erfolg. Sie erhielten eine höflichen Audienz und wurden wieder nach Hause geschickt. Weniger glücklich verlief der Besuch des Quäkers John ‘Love’ Luffe im Rom beim Papst. Als er den selbigen als Antichristen bezeichnete, wurde er sofort gefangen genommen. Nach grossen Anstrengungen, gelang es ihn durch Quäker wieder zu befreien. Sein Begleiter überlebte die Reise allerdings nicht. Es gab auch Frauen unter den Quäkern, die missionierten. Die erste Frau, die in Deutschland vor protestantischen Theologen in einer Kirche predigte, war eine Quäkerin aus England. Das wurde noch als unterhaltsames Kuriosum aufgenommen. Anders erging es Mary_Dyer. Diese sah sich von Gott berufen, in den Amerikanischen Kolonien zu Predigen. Das bezahlte sie leider mit der Todesstrafe.

Wenige Jahre später wendete sich glücklicherweise das Blatt für die Qäuker. Mit mit dem sogenannten “Heiligen Experiment*, dem ersten und einzigen Quäker-Staat waren die Quäker für ca. 80 Jahre selbst die Mächtigen, die die Staatsgewalt inne hatten. Hier konnten sie unter Beweis stellen, dass sie es besser konnten. Und in der Tat gab es ein fortschrittliches Rechtssystem und Glaubensfreiheit, das auch die Ureinwohner schützte. Es sollte allerdings noch hundert Jahre dauern, bis sich unter Quäkern die Einsicht durchsetzte, das Sklaverei tiefes Unrecht ist. Es waren allerdings auch Quäker, die den ersten Boykott von Produkten organisierten, die auf die Ausbeutung versklavter Menschen basierten.

Heute assoziiert man Quäker er mit “Stiller Diplomatie”. Ob es die QCEA (Quaker Council for European Affairs) ist oder die Vermittlung in Belfast (Nordirlandkonflikt), oder das Projekt Alternativen zur Gewalt (PAG) oder Rest Home Projekt. Die Zeit der schrillen und lauten Töne scheint bei den Quäkern vorbei zu sein.

Ich würde gerne mit euch diskutieren, ob das Konzept der “Stiller Diplomatie” immer noch aktuell ist, in einer Welt die immer lauter und schriller wird. Birgt die “Stille Diplomatie” nicht die Gefahr, als elitärer Geheimbund wahrgenommen zu werden? Ist heute nicht er die Zeit, in der man Farbe bekennen müsste?

Viele Grüße,

Olaf


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