Am 24.8.2024 keine Tee-Runde und Andacht

Am 24.8.2024 keine Tee-Runde und Andacht, aber eine Vorabinformation

Inhaltsverzeichnis

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Wie schon bei dem letzten Mal angekündigt fallen die Tee-Runde und die Andacht am 24.8.2024 aus. Ich kann aber schon verraten, womit wir uns die nächsten vier Male beschäftigen werden. Denn wir werden eine kleine Themenreihe zu dem 2022 erschienenen Buch “Quaker Quicks, Quaker Shaped Christianity: How the Jesus story and the Quaker way fit together” von Mark Russ machen. Wer mag, kann sich das Buch online (z.B. bei bookzilla.de) bestellen oder auch analog bei einem lokalen Buchhändler kaufen. In beiden Fällen solltet ihr das Buch in wenigen Tagen haben. Es ist aber nicht zwingend notwendig, das Buch zu besitzen oder gar gelesen zu haben, um an den Gesprächsrunden teilzunehmen. Man muss auch kein Englisch können. Ich werde die (in meinen Augen) wichtigsten Passagen übersetzen und vorab bereit stellen.

Worum wird es in der Reihe gehen?

Der Autor des Buches lebt in Großbritannien. Im britischen Quäkertum dominiert (wie in Deutschland) das so genannte liberale Quäkertum. Ein Merkmal des liberalen Quäkerums ist, dass sich die Theologie zum Teil sehr weit von seinen christlichen Wurzen entfernt hat. Es gibt eine große Sympathie für universalistische Ideen und non-theistische 1 Vorstellungen. Mark Russ vertritt aber eine christozentrische Theologie und setzt sich in seinem Buch mit den Positionen liberaler Quäker auseinander.

Die Diskussion darum, was Quäker sind, wie das Quäkertum zur Bibel steht und ob die christlichen Wurzen für das Quäkertum entbehrlich sind, ist fast so alt wie das Quäkerum selbst. Diese Diskussionen wurden sowohl innerhalb der Gemeinschaft geführt, als auch überkonfessionell. Diese Fundamentalkritik und Grundskepsis ist für viele Mainstream-Christen schwer verständlich, löst aber bei Quäkern nur ein müdes Achselzucken hervor. “Also warum noch ein Buch zu dem Thema und noch mal die Diskussion aufmachen?” fragen sich jetzt sich einige Quäker und Freunde der Freunde.

Der Unterschied zu vorangegangenen Diskussionen ist, dass die Diskussion heute in einer (wieder) veränderten Welt stattfindet. Das Quäkertum findet sich heute in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft mit einer zunehmend marginalisierten christlichen Tradition und Kultur wieder. Das Quäkertum heute lebt nicht (mehr) abgesondert von der Welt, nimmt deswegen neue Veränderungen schneller auf und muss sich zu diesen positionieren. Alte Gewissheiten werden auf ein Neues hinterfragt und neu beleuchtet. Mit Mark Russ und seinem Buch sehen wir die Auseinandersetzung, die das liberale Quäkertum in Europa mit den Veränderungen, die das Quäkertum an sich selbst und an der Gesellschaft wahrnimmt.2

Meine eigenen Gedanken zu dem Thema

Ich will an dieser Stelle die Auseinandersetzung mit dem Buch nicht vorweg nehmen, sondern mit ein paar eigenen Gedanken zu dem Thema hinleiten.

Viele haben in meinem Umkreis einen skeptischen Blick auf die Bibel. Ich denke, man kann von einer Entfremdung von der Bibel sprechen. Bei manchen kann man auch schon von einer offenen Ablehnung sprechen. Diese mehr oder weniger ausgeprägte Abneigung ist oft das Resultat von Erfahrungen mit Christen, die für sich in Anspruch nehmen, BIBELTREU zu sein. Selbige, die das für sich in Anspruch nehmen, vertreten oft kompromisslos ultrakonservative Ansichten, die zum Teil schon militante Züge annehmen.

Beim Begriff BIBELTREU würden sich selbst den frühen Quäkern des 17. Jahrhundert, die Flussnägel aufrollen. Aber nicht, weil sie der Bibel keine Bedeutung und Autorität zugestanden, sondern weil das “Wort Gottes” für sie Jesus Christus selbst war und nicht die Bibel, also das Buch, das über ihn berichtete. George Fox3 wird oft unter Quäkern zitiert mit (z.B. in Quaker faith & practice 4):

You will say, ‘Christ saith this, and the apostles say this;’ but what canst thou say? Art thou a child of the Light, and hast thou walked in the Light, and what thou speakest, is it inwardly from God?”

Zu Deutsch:

Du wirst sagen: Christus sagt dies, und die Apostel sagen dies; aber was kannst du sagen? Bist du ein Kind des Lichts und wandelst im Licht, und was du sprichst, kommt innerlich von Gott?“

In der Überzeugung der frühen Freunde offenbarte sich Jesus unmittelbar in jedem Menschen. Die Bibel war nur etwas Mittelbares. Quasi ein Wegweiser zur Quelle, aber nicht die Quelle selber.

Auch wenn man kein Quäker ist, kommt das Konzept “BIBELTREU” irgend wann an seine Grenzen, wenn man ehrlich mit sich selbst ist. Ein sehr hörenswerter Podcast sei hier empfohlen von Martin Benz, Movecast 182: 6 Gründe warum „bibeltreu“ nicht mehr funktioniert. Gut, wenn man für sich irgend wann erkannt hat, dass “BIBELTREU” nicht funktioniert, stellt sich die Frage: was nun?

In den letzten Jahrzehnten gab es von linken und liberalen Theologen einige interessante und bereichernde Impulse (die bei konservativen Theologen zum Teil harsche und emotionale Reaktionen hervorriefen). Zur Erinnerung, und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sei hier genannt:

Finden die Quäker des 21. Jahrhundert noch einmal eine Antwort auf die Fragen, die die Bibel aufwirft? Oder wird das Quäkertum endgültig in verschiedene Flügel zerfallen, die es nicht mehr schaffen zueinander theologisch Brücken zu schlagen?

Die geplanten Termine und ihrer Themenschwerpunkte

Also wer zusammen mit uns und Mark Russ die Bibel noch mal auf den Prüfstand stellen will, sollte ich schon mal die folgenden Termine notieren:

  • 07.09.2024 Die Bedeutung und das Verständnis der Bibel (für Quäker). Kap. 1
  • 21.09.2024 Ist die Bibel nur als eines von vielen Weisheitsbüchern der Menschheit zu betrachten? Kap.2
  • 05.10.2024 Die Vorstellung, die Erwartung und die Einordnung zur Wiederkunft von Jesus Christus. Kap. 3
  • 19.10.2024 Die (christliche) Vorstellung von Schuld, Sühne und Erlösung. Kap. 3,4,5,6

Oder sich über Mastodon erinnern lassen.


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Fussnoten


  1. Als non-theistisch wird eine Verstellung bezeichnet, wenn nicht mehr an einen personifizierten Gott, als Schöpfer und Erlöser, geglaubt wird. Was aber nicht ausschließt, dass der Welt eine tiefere Bedeutung zugestanden wird und es irgend eine Vorstellung einer Erlösung (der Welt oder des Individuums) gibt. ↩︎

  2. Das Quäkertum auf der südlichen Halbkugel erlebt seit einigen Jahren eine völlige andere Realität um sich herum und hat eine völlig andere Entwicklung durchlaufen. ↩︎

  3. George Fox war einer der wichtigsten Führungspersönlichkeiten und für manche der Gründervater des Quäkertums. ↩︎

  4. Fifth edition, The book of Christian discipline of the Yearly Meeting of the Religious Society of Friends (Quakers) in Britain, Chapter 19, 19.07 ↩︎