Andacht und Teetrinken am 25.01.2025

Thema: Geld, Reichtum, Verteilung, gesellschaftliche und individuelle Verantwortung

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 25.01.2025 um 17 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Wer möchte, kommt gerne schon um 16 Uhr, um sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.

In der USA erfolgte jetzt ein Machtwechsel und in Deutschland haben wir demnächst eine Wahl. Was mir und vielleicht auch euch aufgefallen ist, ist wie unverfroren Tech-Milliardäre sich in die Politik einmischen. Und das andere was mir aufgefallen ist, ist dass die Partei(en), die am vehementesten die Schuldenbremse hoch halten, die unausgeglichensten Haushaltsentwürfe in ihrem Wahlprogrammen haben.

In der kommenden Andacht möchte ich jedoch nicht die Wahlprogramme einzelner Parteien analysieren, sondern versuchen einen spirituellen Blick auf das Thema Geld, Reichtum, Verteilung, gesellschaftliche und individuelle Verantwortung werfen. Mein Quäker-Weg begann mit dem Buch "Ohne Kreuz keine Krone", von William Penn, das mich damals sofort in seinen Bann geschlagen hat. Aber auch heute noch halte ich es für das beste Quäker-Buch, dass jemals ins Deutsche übersetzt wurde. In Kaptitel 13, analysiert Penn das Thema Geld sehr pointiert und kommt zu einem sehr unkonventionellen und radikalen Vorschlag.

Ich habe wieder ein paar Textstellen als Materialsammlung vorbereitet:

Abschnitt 7:

Es ist eine Schande für den Menschen, besonders für den religiös Gesinnten, dass er oft nicht weiß, wann er genug hat, wann er mit Gewinnen aufhören und sich begnügen soll, und dass er, obgleich ihm Gott eine reiche Ernte oder Einnahme nach der anderen zufließen lässt, doch diese Wohltaten nicht als Beweggründe ansieht, sich endlich aus dem Gewühl der Welt zurückzuziehen, sondern dieselben vielmehr als Einladungen betrachtet, sich noch tiefer in die Geschäfte des Lebens einzulassen, als wenn er, je mehr er habe, auch desto mehr erwarten könne. Er erneuert daher seine Begierde und strengt sich mehr als jemals an, um seinen Teil davon zu tragen, so lange es noch etwas zu erjagen gibt. Gerade als ob Unruhe und nicht Abgeschiedenheit, Gewinnsucht und nicht Genügsamkeit die Pflichten und die Quellen des Trostes eines Christen wären. […] Es ist nicht zu leugnen, dass sehr viele Menschen nicht des Unterhalts, sondern des Reichtums wegen Geld zu gewinnen suchen. […] Heißt dieses ein ruhiges und angenehmes Leben führen? Oder heißt dies auch wohl reich sein? Sehen wir nicht, wie diese Leute so früh auf sind, und erst so spät zur Ruhe kommen? Wie ihre Gedanken beständig auf ihre Geschäfte gerichtet und mit einer Menge von Gegenständen angefüllt sind? Wie sie dabei hin und her eilen als ob sie beschäftigt wären, einem unschuldig Verurteilten das Leben zu retten? Und dieses alles um eine unersättliche Leidenschaft zu befriedigen, die ebenso verderblich für die Menschen als Gott zuwider ist, der den Reichtum dazu gibt, dass man ihn wohl anwenden, nicht aber, damit man mit seinem Herzen daran hängen solle, denn darin besteht der Missbrauch, den die Menschen davon machen.

Abschnitt 8

[…] Und eine Hauptursache, warum viele Menschen zu wenig erwerben und genötigt sind, wie Sklaven zu arbeiten, um ihre Familien zu ernähren und ihr Auskommen zu finden, liegt unstreitig darin, dass die Reichen nicht nachlassen, zu scharren, sondern immer noch reicher werden wollen, und deswegen auch die kleineren Erwerbsquellen der geringen Klasse an sich ziehen oder verstopfen. Es wäre daher zu wünschen, dass man einen Maßstab festsetzen möchte, nach welchem jeder die Dauer und Ausdehnung der Grenzen seiner Geschäfte bestimmen, und nach deren Erreichung er sie dann unter diejenigen seiner Untergebenen, die es verdienten, verteilte. Dieses würde den Jüngeren die Mittel gewähren, sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und den Alten Zeit verschaffen, darauf zu denken, wie sie eine Welt verlassen wollen, in der sie so geschäftig gewesen sind, und sich um ihr Los in jener Welt zu bekümmern, um welches sie bisher so unbekümmert waren.

Abschnitt 14

Ein solcher Gieriger ist ein wahres Ungeheuer, ohne Menschengefühl, und, gleich den Erdpolen, beständig kalt. Er ist ein Feind des Staates, denn er saugt das Geld aus. Ein Krankheitsstoff im politischen Körper, der den Umlauf des Blutes hemmt, und daher durch irgend ein Reinigungsmittel des Gesetzes fortgeschafft werden sollte, denn dieses Laster greift das Herz an und zerstört den Zusammenhang aller Glieder. - Der Gierige heißt alle nützlichen Künste und Wissenschaften als überflüssige Dinge, aus Furcht, dass die Erlernung derselben ihm etwas kosten würde. Daher ist sein Herz eben so sehr als sein Geldbeutel gegen Empfindsamkeit und Kunstfleiß verschlossen. Er lässt Häuser einstürzen, um nur nicht die Ausgaben für Reparaturen zu haben. Und was seine schmale Kost, seine abgetragenen Kleider und seine schlechten Möbel betrifft, so rechnet er sich diese Stücke zur Mäßigkeit an. O was für ein Ungeheuer ist ein solcher Mensch, der aus Liebe zum Geld, aber nicht aus Liebe zu Christo, das Kreuz gegen sich selbst aufnehmen kann.

Abschnitt 15

Doch macht er auf seine Weise auch Anspruch auf Religion, denn er klagt unaufhörlich über die Verschwendung der Menschen, um seinen Geiz dadurch zu bemänteln. Sieht er jemand eine kostbare Salbe auf das Haupt eines guten Menschen ausgießen, so ist er gleich bereit, an die Dürftigkeit der Armen zu erinnern, um seine Sparsamkeit zu zeigen und gerecht zu scheinen. Anspielung auf Markus 14,3-9. Kommen die Armen aber zu ihm, so weiß er seinen Mangel an Mildtätigkeit damit zu bedecken, dass er entweder die Gegenstände des Mitleids für unwürdig erklärt, oder auf die Ursachen ihrer Armut anspielt, oder vorschüzt, er könne sein Geld auf solche, die es besser verdienten, und zu weit edleren Zwecken verwenden. - Er, der nur äußerst selten seine Börse öffnet, damit er nichts daraus verliere.

Ich bin gespannt zu erfahren, welche Gedanken euch beim Lesen von Penn kamen.


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