Andacht und Teetrinken am 22.8.2026
Glaubensbekenntnis
Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!
Kommenden Samstag, den 22.8.2026 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.
Für alle, die möchten, gibt es im Anschluss ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren oder einfach nur Tee zu trinken.
Gerade von liberalen Quäkern hört man öfter, dass Quäker kein Glaubensbekenntnis hätten. Das stimmt aber nicht. Der Katechismus von Robert Barclay beinhaltet auch ein Glaubensbekenntnis. Dieses hat aber in der Gemeinschaft keinen nachhaltigen Widerhall gefunden. Da das Quäkertum dezentral organisiert ist, gab es auch keine zentrale Instanz, die es als allgemein verbindlich festschreiben konnte. Es lohnt sich aber trotzdem, einmal einen Blick hineinzuwerfen. Zum einen war Barclay eine gewichtige Persönlichkeit, zum anderen entsprachen seine Ansichten der Mehrheitsmeinung der damaligen Zeit.
Das Erste, das auffällt, ist, dass es mit 23 Artikeln um einiges länger als das sehr bekannte Bekenntnis von Nicäa ist. Aber natürlich gibt es auch in anderen Konfessionen eine ganze Reihe von weiteren Bekenntnisschriften, die auch länger sind.
Heute haben für liberale und auch für konservative Quäker die sogenannten „Fragen und Ratschläge“ die Rolle einer Bekenntnisschrift übernommen. Der seit Jahren am schnellsten wachsende Flügel des Quäkertums ist der evangelikale. Eine ihrer Organisationen, die „Evangelical Friends Church International“, hat ein „Statement of Faith“ formuliert. Darin findet sich ein Satz, den man niemals bei liberalen Quäkern finden würde:
Marriage and Sexuality
God designed marriage for humanity. As first described in Genesis and later affirmed by Jesus, marriage is a God ordained, covenant relationship between a biologically born male and a biologically born female. This lifelong, sexually exclusive relationship brings children into the world and thus sustains the stewardship of the earth. Biblical marriage – marked by faithfulness, sacrificial love and joy – displays the relationship between God and his people.
(Übersetzung: Ehe und Sexualität – Gott hat die Ehe für die Menschheit geschaffen. Wie zuerst im 1. Buch Mose beschrieben und später von Jesus bestätigt, ist die Ehe eine von Gott verordnete Bundesschließung zwischen einem biologisch geborenen Mann und einer biologisch geborenen Frau. Diese lebenslange, sexuell exklusive Beziehung bringt Kinder in die Welt und führt so die Verwaltung der Erde fort. Die biblische Ehe – geprägt von Treue, opferbereiter Liebe und Freude – spiegelt die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk wider.)
Das ist etwas, das sich so bei den frühen Freunden nicht finden lässt – jedenfalls nicht an so prominenter Stelle (gleich an 6. Stelle), noch vor den Themen „Erlösung“ und „Kirche (Leib Christi)“.
Wie sieht es heute bei dem kleinsten Flügel, dem konservativen Quäkertum, aus? Im THE BOOK OF DISCIPLINE vom Ohio Yearly Meeting findet sich im hinteren Drittel der Satz:
[…] The union of a man and woman is not to be undertaken lightly. Friends regard marriage as a continuing religious sacrament, not merely a civil contract. We believe that marriage is an ordinance of God, appointed for the help and blessing of both partners and for the right upbringing of the next generation. We believe that human sexual intercourse is only appropriate within a marriage relationship, and that all adultery is wrong. […]
(Übersetzung: […] Die Verbindung von einem Mann und einer Frau sollte nicht leichtfertig eingegangen werden. Freunde betrachten die Ehe als ein fortwährendes religiöses Sakrament und nicht bloß als einen bürgerlichen Vertrag. Wir glauben, dass die Ehe eine Ordnung Gottes ist, bestimmt zum Beistand und Segen beider Partner sowie für die rechte Erziehung der nächsten Generation. Wir glauben, dass menschlicher Geschlechtsverkehr nur innerhalb einer Ehebeziehung angemessen ist und dass jeglicher Ehebruch falsch ist. […])
Schon das Wort „sacrament“ (Sakrament), so wie es vom Ohio Yearly Meeting verwendet wird, hätte Barclay abgelehnt, weil er das gesamte Konzept „Sakrament“ als eindeutig heidnisch ansah. Ursprünglich stammte der Begriff aus dem römischen Militärwesen und bezeichnete einen Fahneneid. Welcher vernünftige Mensch würde bitte seine Ehe wie einen Fahneneid betrachten?
Hier noch eine anderen konservativen Jahresversammlung. Im FAITH AND PRACTICE / The Book of Discipline vom Iowa Yearly Meeting of Friends (Conservative) heißt es unter dem Abschnitt „SEXUALITY“:
Sexuality influences a person’s entire life regardless of marital status. Decisions on how best to express one’s sexual nature are made by each person, under the guidance of the Spirit and influenced by backgrounds and beliefs. Iowa Yearly Meeting (Conservative) strives to be a community where all Friends can find love and acceptance in their efforts to establish committed relationships, regardless of sexual orientation.
(Übersetzung: Sexualität beeinflusst das gesamte Leben eines Menschen, unabhängig vom Familienstand. Entscheidungen darüber, wie man seine sexuelle Natur am besten zum Ausdruck bringt, trifft jede Person selbst – unter der Führung des Geistes und geprägt von ihrem Hintergrund sowie ihren Überzeugungen. Die Jahresversammlung von Iowa (Konservativ) ist bestrebt, eine Gemeinschaft zu sein, in der alle Freunde Liebe und Annahme bei ihren Bemühungen finden können, verbindliche Beziehungen einzugehen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.)
Es hängt also von der jeweiligen Jahresversammlung bzw. Monatsversammlung ab, auf welche Auffassungen man stößt. Aber es ist schon erstaunlich, dass Sexualität ein so explizites Thema geworden ist. Im Glaubensbekenntnis von Barclay aus dem 17. Jahrhundert ist das überhaupt kein Thema. Und das bedeutet, dass es für die frühen Freunde nicht heilsrelevant gewesen sein kann, weil es sonst bei Barclay auftauchen würde.
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