Andacht und Teetrinken am 12.07.2025 (mit neuem Ablauf)
Andacht mit neuen Format am 12.07.2025
Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!
Kommenden Samstag, den 12.07.2025 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.
NEUES FORMAT DER QUÄKER-ANDACHT
In der Vergangenheit habe ich unsere Andachtstreffen immer wieder verändert und mit neuen Elementen experimentiert. Nun habe ich das Gefühl, es ist erneut an der Zeit, etwas anzupassen und Neues zu wagen. Ich freue mich sehr über euer Feedback – ob ihr denkt, dass wir uns damit in eine gute Richtung bewegen.
Zwei Punkte beschäftigen mich dabei besonders, für die ich noch nach stimmigen Lösungen suche:
Erstens: Bislang habe ich die Themen und Texte weitgehend allein ausgewählt und vorbereitet. Das birgt die Gefahr, dass in den Andachten vor allem meine persönliche Perspektive auf das Quäkertum sichtbar wird – dabei ist unser Glaube doch so vielfältig. Ich sehe die Herausforderung besonders darin, dass ich hier momentan der einzige Quäker bin – was es nicht gerade leichter macht, andere Blickwinkel einzubinden.
Zweitens: Ich habe beobachtet, dass es manchmal emotional fordernd ist, nach der intensiven Textarbeit und Diskussion direkt in die stille Andacht zu wechseln. Die Aufmerksamkeit nach innen zu richten verlangt eine ganz andere innere Haltung – der Übergang fällt nicht immer leicht.
Deshalb möchte ich den Ablauf nun wie folgt anpassen:
Erster Teil: Sammeln, Ankommen und Einstimmen
Je nach den äußeren Bedingungen – wie Temperatur, Geräuschkulisse oder Raumsituation – kann es weiterhin notwendig sein, den Ort kurzfristig zu wechseln. Ich werde wie gewohnt rechtzeitig vor Ort sein, um alles in Ruhe vorzubereiten. Andachtsbesucher haben in dieser Zeit die Möglichkeit, in aller Ruhe anzukommen und bei einer Tasse Tee schon ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Zweiter Teil: Einstimmung und kurze Inspiration
Anders als bisher beginnen wir nicht mit einem von mir verfassten Text, sondern mit einem kurzen Auszug aus dem Buch “Quäker – Glaube und Wirken”. Diese Sammlung vereint Texte ganz unterschiedlicher Autorinnen und Autoren – aus verschiedenen Epochen und mit vielfältigen theologischen Stimmen. Die kurze Lesung soll als Anregung dienen: ein Impuls zur Interpretation, zum Weiterdenken und zur Einstimmung in die folgende Andacht.
Dritter Teil: Stille Andacht
Im Anschluss beginnt wie gewohnt die stille Andacht – etwa 45 Minuten lang. “Still” ist dabei ein relativer Begriff: Wer durch den gelesenen Text oder eigene Gedanken angeregt wurde und das Gefühl hat, etwas teilen zu wollen, was die Andacht bereichern kann – ist dazu herzlich eingeladen.
Vierter Teil: Themenblock
In diesem Teil steige ich etwas tiefer in Themen ein, die vielleicht ungewöhnlich, kurios oder sogar befremdlich wirken mögen – die aber auf ihre Weise etwas sehr typisch Quäkerisches berühren.
Diesen Abschnitt ans Ende zu stellen, hat einen entscheidenden Vorteil: Die Diskussion muss nicht abgebrochen werden, bevor alles gesagt ist – und wir stehen nicht unter dem Druck, “rechtzeitig” mit dem Text durchzukommen, nur um die Andacht pünktlich beginnen zu können. Wer merkt, dass ihn das Gespräch emotional belastet oder zu kontrovers erscheint, kann sich jederzeit zurückziehen – ohne deshalb auf die Andacht verzichten zu müssen.
Damit die Diskussion nicht ausufert oder in aufgeregtes Debattieren abrutscht, werde ich die Redebeiträge regelmäßig durch kurze Momente der Stille unterbrechen. Diese Pausen dienen der Sammlung – sie sollen Raum geben, über das Gesagte nachzudenken und mit Bedacht zu antworten.
Es geht nicht darum, besonders schlagfertig oder pointiert zu reagieren, sondern sich mit konstruktiven und durchdachten Beiträgen einzubringen.
DAS THEMA DER NÄCHSTEN ANDACHT
Das vorbereitete Thema gehört zu eine Themen-Reihe über das Verständnis des Gottesdienstes bei den Quäkern. Gestartet sind wir am 17.5.2025. Zum Nachlesen könnt ihr euch die Ankündigung noch mal ansehen. Diesmal erörtert Robert Barclay wie die Frühen Freunde mit den Stöhrungen ihrer Gottesdienste umgegangen sind.
Robert Barclay
Im 13. Paragraphen des 11. Kapitels hebt Barclay hervor, dass der Vorteil der Quäker-Andacht darin besteht, dass sie nicht verhindert werden kann.1 Quäker können ihre Gottesdienste auch dann abhalten, wenn sie räumlich voneinander getrennt sind, da sie sich innerlich verbunden fühlen.2 Selbst wenn man sie zusammenkommen lässt, aber ihre Versammlungen durch Tumulte und Gewalt stört, sehen sie dies lediglich als Gelegenheit, ihre christliche Geduld unter Beweis zu stellen – und die Chance zu nutzen, ihre Widersacher zu belehren, zu überzeugen oder zur Umkehr zu bewegen. Andere Formen von Gottesdiensten hingegen benötigen mitunter den Schutz der Obrigkeit – teils sogar mit Gewalt.3 Katholiken, Calvinisten oder Lutheraner etwa könnten ihre Gottesdienste nicht durchführen, wenn ihnen Messbuch und Bibel entzogen würden.4
Dann schildert Barclay seine persönlichen Erfahrungen mit Gewalt:5
[…] so haben unsere Widersacher […] uns das gottloseste und leichtfertigste Gesindel, ja den rechten Abschaum lasterhafter Menschen auf den Hals gehetzt, welche durch alle Arten eines recht unmenschlichen, viehischen und barbarischen Verhaltens, uns zu erzürnen, zu ermüden, zur Ungeduld zu bewegen und zu belästigen gesucht, aber vergebens. Es ist fast unglaublich, ja eine rechte Schande, daß es unter Leuten, die sich vor Christen ausgeben, gedacht werden soll, was vor abscheuliche Dinge von dergleichen Art der Menschen Augen gesehen haben, und davon ich, nebst andern, selbst meinen Teil des Leidens empfunden habe. Da haben sie uns öfters geschlagen, Wasser und Kot auf uns geschüttet. Da haben sie getanzt und gesprungen, gesungen und die allerleichtfertigsten und gottlosesten Worte hervorgebracht; Gewalttätigkeiten und schändliche Handlungen verübt, andächtigen Weibern und Jungfrauen ganz unverschämter Weise begegnet, uns verhöhnt, gespottet und verlästert und uns gefragt, ob der Geist noch nicht gekommen wäre? Und noch weit mehrere und ärgere Dinge, welche allhier zu erzählen, zu verdrießlich und zu ärgerlich sind: Und alles dieses, da wir auf eine ernsthafte und stille Weise beisammen gesessen und auf den Herrn gewartet haben.
Immer wieder machte Barclay die Erfahrung, dass Tumult und Aggression abebbten, wenn sie standhaft und ruhig blieben. Dieses Erleben vergleicht er mit dem Bild von Mose, der das Meer teilte.6 Erwähnt wird außerdem, dass sich besonders junge Philosophie- und Theologiestudenten mit großer Kreativität an den Störungen der Quäker hervortaten.7
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Paragraph 13, Seite 516 “Zum dritten erscheint die Vortrefflichkeit dieses Gottesdienstes ferner daraus, daß er durch die Bosheit beides der Menschen und Teufel nicht hat können gehindert oder unterbrochen werden, wie bei aller anderer ihrem gar leichtlich geschehen kann.” ↩︎
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Paragraph 13, Seite 516 “Denn so weit auch die wahren Glieder unseres Volks von einander abgeschieden oder zusammen zu kommen verhindert sind, so wird Dennoch, weil ein jeder innerlich zu dem Maß des Lebens in ihm selbst gesammelt ist, eine geheime Einigkeit und Gemeinschaft genossen, welche der Teufel mit allen seinen Werkzeugen, zu unterbrechen und zu hindern, zu schwach und unvermögend ist.” ↩︎
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Paragraph 13, Seite 516+517 “Angesehen wir, ungeachtet tausenderlei Unterbrechungen und Beleidigungen, davon eine einzige genug wäre; alle andere Arten der Christen zu verhindern, Kraft des eigentlichen Wesens dieses Gottesdiensts, vermögend gewesen, solchen vor Gott ununterbrochen zu erhalten, und zugleich ein Exempel unserer Christlichen Geduld gegen alle, auch öfters zur Belehrung und Überzeugung unserer Widersacher, an den Tag zu legen. Denn es findet sich keine Art des Gottesdiensts, so bei andern gebräuchlich ist, welcher bestehen kan; (ob ihnen schon erlaubt ist, zusammen zu kommen,) wenn sie nicht entweder von der Obrigkeit bevollmächtigt, oder beschützt werden, oder sich selbst mit dem Arm des Fleisches verteidigen.” ↩︎
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Paragraph 13, Seite 517 “Denn wie können die Katholiken ihre Messe lesen, wenn einer darinnen ist, der sie stört oder beunruhigt? Man nehme ihnen nur das Messbuch, den Kelch, die Hostie, und den priesterlichen Schmuck hinweg, ja man verschütte nur das Weihwasser oder den Wein, oder blase die Lichter aus, (welches im Augenblick geschehen kan,) so ist der ganze Handel verdorben etc. und kann kein Opfer geopfert werden. Man nehme den Lutheranern, oder denen von der bischöflichen Kirche ihre Liturgie, oder ihr gemeines Gebetsbuch hinweg, so hat der Gottesdienst” ↩︎
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Paragraph 13, Seite 518 und 519. ↩︎
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Paragraph 13, Seite 519+520 “Gleichwie ehemals Moses mit seinem Stab die Wellen des roten Meers zerteilte, daß die Kinder Israel torkennen Fusses hindurch gehen konnten; deshalb hat auch Gott durch seinen Geist mitten in dieser Flut der Ruchlosigkeit einen Weg vor uns gebannt, ihn auf friedsame Weise zu geniessen und zu besitzen, und unsern ihm zu Ehren angestellten Gottesdienst zu vollenden.” ↩︎
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Paragraph 13, Seite 520 “daß sich bei diesen tollen und törichten Handeln, ja recht bestialischen und viehischen Betragen, so man uns in unsern geistlichen Zusammenkünften zu kränken und zu belästigen gebraucht, sich niemand geschäftiger erwiesen, als die jungen Studenten auf den Universitäten, welche die Philosophie und so genannte Theologie studieren, und darunter sich viele zum heiligen Ministerio oder Predigtamt vorbereiten.” ↩︎