Andacht und Teetrinken am 23.08.2025

Einige Gedanken anlässlich des CSD in Krefeld (Nachlese)

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 23.08.2025 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Für diejenigen, die möchten, besteht im Anschluss ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken. Diesmal mit einer Nachlese und einige Gedanken anlässlich des CSD im Krefeld.

Eigentlich gibt es zu diesem Thema garnicht viel zu sagen – denn es ist kein zentrales Thema in der Bibel. Diejenigen, die es zu einem großen Thema machen, sollten sich fragen, warum das bei ihnen so ist.

In der Bibel finden sich deutlich mehr Stellen zu Speisevorschriften als zu Sexualität (oder Homosexualität). Zum Beispiel 3. Mose 17,10–14:

„Wenn ein Israelit oder ein Fremder unter euch Fleisch verzehrt, das nicht völlig ausgeblutet ist, werde ich, der Herr, mich gegen ihn wenden! […] Alles Leben ist im Blut, und wer davon isst, muss getötet werden!“

Warum nehmen evangelikale Christen diese Stelle nicht „ernst“? Als Vegetarier hätte ich keine Schwierigkeiten, das einzuhalten. Ich brauche keine Todesdrohung, um vegetarisch zu leben. Doch das Gefühl moralische Überlegenheit ist fehl am Platz, daran können uns Stellen wie Matthäus 15,11 erinnern:

„Nicht was in den Mund hineingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herausgeht, das verunreinigt den Menschen.“

Das bedeutet für mich aber nicht, dass Fleischessen immer unproblematisch ist. Es gibt Situationen, in denen es nachvollziehbar oder notwendig sein kann — aber auch solche, in denen es ethisch fragwürdig ist. Ich denke, wir sollten beim Fleischkonsum sehr achtsam sein. Es ist wichtig, die Skrupel anderer zu respektieren und auch für unsere eigenen Skrupel sensibel zu werden und wahr zu nehmen, statt leichtfertig und unreflektiert darüber hinwegzugehen. Römer 14,14:

„Ich weiß, und Jesus, der Herr, bestätigt es mir, dass uns keine Speise von Gott trennt, weil sie unrein wäre. Wer aber etwas für unrein hält, für den ist es tatsächlich unrein.“

Man sieht: Die zahlreichen Speisevorschriften des Alten Testaments wurden im Neuen Testament viel intensiver diskutiert als Fragen darüber, wer wen liebt und mit wem zusammenlebt. Das hängt sicher auch mit den Spannungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen zusammen, die bei dem Thema Speisevorschriften weit auseinander lagen.

Die Ehe ist nach quäkerischer Vorstellung kein Sakrament. Das gesamte Konzept von Sakramenten wurde bereits im 17. Jahrhundert von den frühen Freunden als unbiblisch und heidnisch abgelehnt. Siehe dazu den Text Taufe – Was Quäker über die Taufe dachten und denken. Die Ehe ist also nicht heiliger oder wichtiger als andere Lebensbereiche und muss keiner bestimmten Form entsprechen.

Dass es auch in den heterosexuellen Ehen des Alten Testaments nicht besonders „heilig“ zuging, zeigen einige Beispiele:

In 1. Mose 16 überredet eine Frau ihren Mann, ihre heidnische Sklavin sexuell auszubeuten, um ein Kind zu zeugen. Als die Ehefrau später selbst ein Kind bekommt, werden die Sklavin und ihr Sohn in die Wüste ausgesetzt.

Soll uns diese Geschichte als Vorbild dienen? Sicher nicht. Die größten Namen der Bibel haben oft den größten moralischen Ballast. Denken wir an David, der mit einer verheirateten Frau schläft und ihren unschuldigen Ehemann umbringen lässt, um die Tat zu vertuschen.

Die Gesetze des Alten Testaments sollten die Menschen nicht zu Heiligen machen – sie sollten nur das Schlimmste verhindern. Markus 10,5:

„Jesus entgegnete: ‚Das war nur ein Zugeständnis an euer hartes Herz.‘“

Wollen wir also von Gott nur Zugeständnisse an unsere harten Herzen? Oder wollen wir uns von Gottes Liebe erfüllen lassen und uns leiten lassen – und alle Menschen darin unterstützen, eine liebevolle und bereichernde Beziehung zu führen? In gegenseitiger Ernsthaftigkeit, Treue und Verbindlichkeit?

Matthäus 19,6:

„Sie sind also eins und nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen. Und was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“

Freunde glauben nicht, dass eine Ehe durch eine Institution (Kirche/Konfession) oder ein Amt (Priester/Pfarrer) geschlossen wird, sondern unmittelbar vor Gott. Wenn eine Homosexuelle-Beziehung offensichtlich glücklich ist, spricht vieles dafür, dass sie unter Gottes Segen steht. Wie können wir uns also anmaßen, das zu verhindern oder zu trennen?

Herzliche Grüße

Olaf