Andacht und Teetrinken am 20.9.2025

Warum die Quäker auf Liturgie verzichten Teil VII.

WARUM ES DIE QUÄKER AUF LITURGIE VERZICHTEN TEIL VII.

Hallo liebe Freunde und Freunde der Freunde!

Kommenden Samstag, den 20.9.2025 um 16 Uhr, findet in der Königstraße 132 in 47798 Krefeld die nächste Quäker-Andacht statt, zu der Ihr wieder herzlich eingeladen seid.

Für diejenigen, die möchten, besteht im Anschluss ab 17 Uhr die Möglichkeit, sich mit der Bibel zu beschäftigen, Glaubensfragen zu diskutieren und/oder einfach nur Tee zu trinken.

Das von mir vorbereitete Thema, über das wir sprechen können, gehört zu einer Themen-Reihe über das Verständnis des Gottesdienstes bei den Quäkern. Gestartet sind wir am 17.5.2025. Zum Nachlesen könnt ihr euch die Ankündigung noch mal ansehen. Ich würde das Thema mit diesem Teil abschließen. Zwar folgen noch weitere neun Paragraphen, doch im Großen und Ganzen sind alle Argumente für die stille Quäker-Andacht bereits vorgebracht. In den folgenden Abschnitten geht es nur noch um Details und Variationen dieser Argumente.

ARBEITSTEXT ZU ROBERT BARCLAY

Weiter geht es mit Paragraph 16, 17, 18 und 19 des Kapitel 11:

Von Seiten der frühen Quäker wurde immer wieder kritisiert, dass der damalige – und im Grunde auch heutige – Ablauf des Gottesdienstes eine Erfindung und Ausschmückung der neueren Zeit sei, weder biblisch begründet noch vom Geist inspiriert. Allerdings lässt sich einwenden – wie es auch die Gegner taten –, dass man dasselbe ebenso von der schweigenden bzw. wartenden Andacht behaupten könnte. Auch diese könnte eine rein menschliche Erfindung sein und keine göttliche Forderung, da sich in der Bibel keine eindeutige Anleitung dafür findet.

Barclay berücksichtigt in seiner Argumentation immer wieder die Positionen und Argumente anderer Konfessionen. Dabei findet er regelmäßig Aussagen von Theologen, die seine Sichtweise zur Gottesdienstform scheinbar oder tatsächlich stützen1. Nach dem Motto: Seht her, ihr kritisiert uns für Dinge, die eure eigenen Theologen als richtig erachten.

Das Argument, in der Bibel fände sich keine einzige Stelle, die einen schweigend stattfindenden Gottesdienst fordert, verkennt laut Barclay die eigentliche Intention des Schweigens. Denn das Schweigen dient nicht als Selbstzweck oder bloße Gewohnheit, sondern als innere Vorbereitung auf Predigt, Gebet und Lobpreis2.

Barclay führt auch Apostelgeschichte 2,1 an und weist darauf hin, dass aus dem Text nicht eindeutig hervorgeht, ob sich die Jünger nicht in Stille darauf vorbereiteten, den Heiligen Geist zu empfangen3. Im 18. Paragraph wird erneut betont, dass das Vorbereiten, Recherchieren und Auswendiglernen von Predigten nicht unter der spontanen Anleitung und Führung des Heiligen Geistes steht, sondern lediglich eine intellektuelle Leistung darstellt.

Auch in der Quäker-Andacht kann es vorkommen, dass spontan – aus der Eingebung heraus – Bezug genommen wird auf einen biblischen Text, sei es wörtlich oder thematisch. Entscheidend ist dabei nicht, dass die Worte elegant und wohl gewählt sind, sondern dass sie aus dem Geist und nicht aus dem Intellekt gesprochen werden4.

Barclay sieht sehr wohl in der Bibel Bestätigungen für die Positionen der Quäker zum Gottesdienst. Neben Paulus verweist er auch auf die Bergpredigt (Matthäus 5,1). Dort wird nicht erwähnt, dass Jesus seinen Predigttext in irgendeiner Weise vorbereitet hätte – vielmehr sprach er offenbar frei. Auch Texte aus dem Alten Testament führt Barclay an, doch besonders häufig verweist er auf verschiedene Stellen in den Evangelien.

Matthäus 10,20:

Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Geist eures Vaters im Himmel wird durch euch sprechen.

Markus 13,11:

Wenn sie euch verhaften und vor Gericht bringen, dann sorgt euch nicht im Voraus darum, was ihr aussagen sollt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte Wort geben. Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Heilige Geist wird durch euch sprechen.

Lukas 12,12:

Denn der Heilige Geist wird euch zur rechten Zeit das rechte Wort geben.

Im 19. Paragraph argumentiert Barclay anhand verschiedener Stellen aus der Apostelgeschichte, dass es beim Predigen nicht um eine intellektuelle Leistung geht, sondern um Authentizität, Überzeugungskraft und die „Gottes Kraft“5. In diesem Abschnitt ist deutlich der Geist einer Erweckungsbewegung zu spüren, der auch an heutige Pfingstbewegungen erinnert. Besonders eindrücklich wird dies, wenn Barclay schreibt, man dürfe erwarten, dass nicht nur der Prediger vom Heiligen Geist erfüllt wird, sondern auch andere Teilnehmer der Versammlung – sodass auch sie das Wort ergreifen.

Ein wichtiger Unterschied, den ich zur Pfingstbewegung sehe, besteht darin, dass in den Gottesdiensten der Pfingstgemeinden euphorisch gepredigt und gesungen wird. Die Musik wird gezielt eingesetzt, um die Stimmung zu steuern. Das ist also nicht so spontan und von innen heraus, wie es sich die Quäker vorstellen.

Barclay verweist auch auf 1. Korinther 14,30. Dabei stellt sich die Frage, ob er damit sagen wollte, dass sich Prediger gegenseitig in ihren Reden unterbrechen dürfen sollen. Doch an dieser Stelle führt er das nicht weiter aus.

“Der Prophet, der eine Botschaft von Gott bekommen hat, soll seine Rede beenden, wenn Gott einem der Anwesenden eine neue Botschaft eingibt.”


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  1. Kapitel 11, Paragraph 16, Seite 528, “Daher auch Bernardus, gleichwie an vielen andern Orten, deshalb auch in seinem Brief an William, einen Abt von eben demselben Orden, sagt: Nimm die Regel Gottes in Acht. Das Reich Gottes ist innwendig in euch: Und nachdem er hernach angezeigt, daß ihre äusserliche Orden und Regeln beobachtet werden sollten, so setzt er hinzu: Desweiteren es sich aber ereignen sollte, daß eins von beiden unterlassen werden müsste, so sind in solchein Fall diese noch eher als das vorige zu unterlassen.” ↩︎

  2. Kapitel 11, Paragraph 17, Seite 533, “Letztens wenden einige auch noch dieses ein: Es wäre von dieser Art des stillen Gottesdiensts, der im Schweigen geschieht, in der ganzen Schrift nichts zu finden. Ich antworte, wir machen das Schweigen nicht zum einzigen Werk unser Gottesdienstes. Zumal, wie ich vorher gemeldet habe, gar selten eine Versammlung ganz stillschweigend zugebracht wird, da nicht einer oder der andre entweder zum Predigen, dass oder zum Gebet, oder aber zum Lobe bewegt werden sollte.” ↩︎

  3. Kapitel 11, Paragraph 17, Seite 534, “In der Apostelgeschichte 2,1. ehe der Geist auf sie kam, wird gesagt: Sie waren alle einmütig bei einander. Und alsdenn wird hinzu gesetzt: Der Geist sei schnell auf sie gekommen. Es wird aber von keinem einzigen Meldung getan, der zu solcher Zeit geredet habe. Und ich möchte gerne wissen, was unsere Widersacher ungereimtes daraus schließen könnten, wenn wir darfür halten, daß sie eine Weile stille gesessen und geschwiegen haben?” ↩︎

  4. Kapitel 11, Paragraph 18, Seite 535-536, “Diesem setzen wir entgegen, daß wenn sich die Heiligen versammelt haben, und jeder zu der Gabe und Gnade Gottes in ihm selbst eingekehrt ist, so muß derjenige, der da dient, wenn er durch die aufgehende Gnade dazu bewegt wird, dasjenige aussprechen, was ihm der Geist Gottes eingebietet. Wobei er nicht auf die Beredsamkeit und Weisheit der Worte, sondern auf die Beweisung des Geistes und der Kraft sieht. Und solches tut er, entweder mit Auslegung eines Stücks aus der Schrift, falls ihn der Geist, welcher die beste Erinnerung gebietet, dazu leitet; oder auch mit andern weisen Worten der Ermahnung, Warnung, Bestrafung und Unterweisung: Ebenso durch Anzeige der Empfindung einer oder der andern geistlichen Erfahrung. Welches alles der Schrift gemäß sein kann, wenn es sich gleich eben auf kein besonderes Kapitel, oder auf keinen besonderen Vers, als einen Text, bezieht und gründet.” ↩︎

  5. Kapitel 11, Paragraph 19, Seite 540, “Des Apostels Rede und Predigt bestünde nicht in vernünftigen Worten menschlicher Weisheit, sondern in Beweis des Geistes und der Kraft; auf daß der Zuhörer Glaube nicht bestehe auf menschliche Weisheit, sondern auf Gottes Kraft,” ↩︎